Montag, 12. März 2007

Bibliophilie, die Liebe zum Buch

Ich habe ein Stöckchen am Wegesrand aufgesammelt - wenn es um Bücher geht, kann ich doch nie widerstehen.

Gebunden oder Taschenbuch?

Taschenbücher brauchen weniger Platz im Regal und sind günstiger. Andererseits sind gebundene Bücher langlebiger. Mein Großvater hat mir 1990 zu Weihnachten die gebundene Manesse Ausgabe von den Elenden von Victor Hugo geschenkt. Da bin ich sehr froh darüber, dass es ein gebundenes Buch ist: einmal weil ich es schon so oft gelesen habe, und auch da mir so die Widmung und die Erinnerung an meinen Großvater lange erhalten bleibt.
Meine Bibel hatte ich auch schon so oft in der Hand, dass die feste Bindung notwendig ist. Aber es ist selten, dass ich Hardcover kaufe. Manchmal, wenn ich das Buch lange besitzen und oft lesen möchte, z.B. bei dem dicken Band mit Tucholsky-Gedichten. Auch habe ich einige Bücher von Marion Dönhoff gebunden gekauft, und natürlich den kleinen Brockhaus.
Der andere Grund für den Kauf gebundener Bücher ist natürlich, dass man es gerade noch so aushält, auf das Erscheinungsdatum der Hardcover-Ausgabe zu warten. So geschehen bei drei von vier Otherland-Bänden, einigen Scheibenweltbänden (jetzt, wo das Studentenleben vorbei ist) und einigen Büchern von Ursula LeGuin. Falls möglich kaufe ich auch die etwas größeren überteuerten Taschenbücher, die es auch als Erstausgabe gibt. Es ärgert mich aber maßlos, dass dann die Bücher einer Reihe verschieden groß sind. Entweder sieht dann das Regal unordentlich aus (ich mag es, wenn alle Bücher in einem Fach gleich hoch sind), oder man muss die Buchreihe zerteilen. Beides keine gute Lösung. Was das Warten auf die Erstausgabe angeht: das erste Buch, dass ich in einer Nacht auf Englisch durchgelesen habe war der letzte Band des Drachenbeinthrons, der Stück für Stück während meiner Schulzeit erschienen ist. Für das Hardcover fehlte mir das Geld, aber als dann endlich das Taschenbuch erschien, musste ich es in einem Zug (mit Lexikon) durchlesen.

Amazon oder Buchhandel?
Amazon immer wieder gerne, vor allem bei englischsprachigen Büchern. Allerdings stöbere ich auch gerne in Buchgeschäften, und versuche diese durch den Kauf von Büchern zu unterstützen. Wenn es passt, bestelle ich auch gerne deutsche Bücher telefonisch in der Buchhandlung und hole sie dann am Wochenende ab. Amazon ist zwar praktisch, aber eine Welt ohne Buchgeschäfte und nette Fachsimpeleien mit den VerkäuferInnen wäre eine traurigere Welt.


Lesezeichen oder Eselsohr?
Lesezeichen (oder Einkaufszettel oder Haarklammer) oder gleich Seitennummer merken. Niemals nie Eselsohren! Nie! Gerade noch akzeptabel ist es, das Buch kurz umgeklappt hinzulegen, um etwas zu trinken zu holen - aber nur für mittelmässige bis schlechte Bücher, und nur wenn ich es selbst tue.
Ab und an haben nette Menschen mit schöne Lesezeichen geschenkt. Leider konnte ich es nie durchhalten sie zu verwenden - dazu lese ich einfach zu viele Bücher parallel, und das Lesezeichen ist dann nie zur Hand, wenn man es braucht.

Ordnen nach Autor, nach Titel oder ungeordnet?
Geordnet, aber mit eigenem System. Bücher aus dem Studium und andere Nachschlagewerke gesondert im Arbeitszimmer. Der Landau/Lifschitz (oder dessen Bruchstücke), der Hilbert/Courant und noch einige ausgewählte Bände dürfen aber im Wohnzimmer stehen.
Im Wohnzimmer stehen in vier ganz hohen Billy-Regalen meine Bücher wohlgeordnet nach "literarischen Sachbüchern", z.B. Dava Sobel ,Alan Lightman, populärwissenschaftliche Bücher (z.B. Krakauer, oder der wissenschaftliche Adventsbegleiter) und geschichtliche Sachbücher (aktueller Liebling die Deutsche Geschichte von H. Rosendorfer oder die wunderbare und unheimlich interessante Pax Britannica von Jan Morris).
Dann sind die Bücher in literarische Themengebiete aufgeteilt: Literatur, Fantasy+SF, Krimis und dann noch ein Regalbrett Reklambände. Ein eigenes Regalbrett für deutsche Geschichte und Biographien. Ein Regalbrett für Märchen und weihnachtlichte Geschichten. Innerhalb jeder Kategorie sind die Bücher dann stets nach Autor geordnet, teilweise auch nach Ländern/Thema. Fremdsprachige und deutsche Bücher stehen gemischt untereinander, oft besitze ich von einem Autor auch Bücher in verschiedenen Sprachen.
Dazu kommt noch ein kleines Regal mit Kochbüchern (da bin ich stolz drauf: fast alle Bände von Nigella, und zahllose andere Kochbücher), und letztendlich im Schlafzimmer noch ein paar Regale mit den restlichen Büchern die im Wohnzimmer keinen Platz finden bzw. nicht jeder Besucher sehen muss (Schund! noch mehr Krimis! seichte Fantasy! yeah!)


Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Verkaufen lohnt sich fast nie. Daher behalten, verschenken oder aussetzen/wegwerfen. Ab und an wird ein Buch im Hotel ausgesetzt, ganz schlechte habe ich auch schon verärgert weggeworfen. Bei bookcrossing wollte ich schon immer mal mitmachen, konnte mich aber dazu nicht aufraffen - und ich würde ja nur Bücher hergeben, die ich nicht nochmal lesen würde, bzw. am liebsten gar nicht gelesen hätte.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
Schutzumschlag behalten, aber vorsichtig lagern während das Buch gelesen wird. Ich verleihe auch Bücher stets ohne Schutzumschlag - dummerweise sind mir aber so bei den letzten Umzügen zwei Schutzumschläge abhanden gekommen, hätte ich die mal besser mitverliehen. Schutzumschläge von Kochbüchern oder Fachbüchern werden auch schon mal weggeworfen.


Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Siehe oben. Immer ohne. Würde im Bett ja auch nur Falten bekommen.

Kurzgeschichten oder Roman?
Roman. Ausser es handelt sich um selten gute Kurzgeschichten.

Sammlung (Kurzgeschichten von einem Autor) oder Anthologie (Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren)?
Besitze ich von beiden wenig, Ausnahme Ursula LeGuin. und natürlich Asimov. Der Vorteil an Anthologien ist, dass man so leicht auch einmal einen neuen Autor kennenlernt, auf den man sonst nicht aufmerksam geworden wäre. Der Nachteil ist, dass viele meiner Lieblingsautoren keine Kurzgeschichten veröffentlicht haben.

Harry Potter oder Lemony Snicket?
Harry Potter, von Lemony Snicket habe ich zwar schon mal was gehört, kann es aber auch nur dunkel zuordnen.

Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel endet?
Bei mäßigen Büchern: bis zum Ende durch! Bei guten, heissersehnten Büchern versuche ich immer, mich von Schnell-lesen abzuhalten, und lieber eine Pause einzulegen bzw. Schlafenzugehen. Leider klappt das nur sehr selten - also bis zum Kapitelende. Und dann nur noch fünf Seiten.... Habe ich erwähnt, dass ich seit ich berufstätig bin, heissersehnte Bücher nur noch Freitag abends anfange zu lesen?

„Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“?
Beides? Hauptsache, der Mörder wird am Ende gefasst.


Kaufen oder Leihen?
Als Schülerin habe ich die gesamte Kreisbücher durchgelesen. Als Studentin habe ich Unsummen in Mahngebühren investiert, bis ich kapituliert habe und nun fast nur noch selbstgekauftes lese. Da ist allerdings auch viel vom Flohmarkt mit dabei.

Neu oder gebraucht?
Gerne auch gebraucht, wenn nicht angesifft, bzw. Bindung kaputt.


Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Empfehlungen von Freunden, Rezensionen (meist aber erst einige Jahre später, wenn ich mal darüber stolpere), Empfehlungen aus anderen Weblogs sind mir fast am liebsten, auch wenn das nicht immer klappt. Gerne auch die Vorschlagsliste von Amazon. Allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, dass mir jemals der Lesestoff ausgegangen wäre: so ein Regalbrett habe eigentlich immer auf Vorrat, und damit bin ich gar nicht auf der grossen Suche nach neuen Leseabenteuern - ich habe genug damit zu tun mich durch die vorhandenen zu lesen.


Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
Auf jeden Fall ein geschlossenes Ende. Oder schlaflos nächtelang weiterträumen und den Autor verfluchen.


Morgens, mittags oder nachts lesen?
Immer? Aufgrund Arbeit/Studium scheidet mittags aus, auch würde es mir da wohl manchmal schwerfallen, nach nur einer viertel oder halben Stunde wieder aus dem Buch aufzutauchen. Morgens gerne wenn Zeit oder Wochenende ist, ansonsten abends. Oder gleich das ganze Wochenende dafür einplanen.

Einzelband oder Serie?
Ganz verschiedenen. Für Fantasy sicherlich Serie, da man sich dann von einem Band auf den nächsten freuen kann. Mehr als vier oder fünf sollten es aber nicht sein, dann wird die Geschichte zu ausgelutscht. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, Pratchett wird von Band zu Band besser.

Lieblingsserie?

Schwierig, reicht es, wenn ich mich für ein Genre entscheide? Dann würde ich Fantasy wählen, und die Lieblingsserien wären Earthsea, Drachenbeinthron und Scheibenwelt.
Stop, das geht so nicht. Zumindest Lord Peter von Dorothy Sayers muss erwähnt werden.

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?
Schwierig. Eigentlich habe ich kein Lieblingsbuch, sondern einen Meter Lieblingsbücher. Ich wähle aber mal vier ganz unterschiedliche aus:


Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?
Schwer zu sagen - auf die Schnelle fällt mir nichts ein. Vielleicht der Schatten des Windes , auch wenn mich das Ende nicht überzeugt hat.

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Auch sehr schwierig, sich da auf eines festzulegen. Einige Namen sind ja bereits gefallen, auch wechselt das sicherlich nach Alter und Lebenslagen.
Aber der Earthsea Zyklus
gehört zu den Büchern, die ich immer wieder in die Hand nehmen kann, sei es um die Geschichte zu lesen und geniessen, oder die Geister einer schlaflosen Nacht oder eines Albtraums zu vertreiben.
Besonders die späteren Bände sind auch sehr lesenswert, wenn auch von anderem Charakter.

(via Anke Gröner via zeitlos, die es aus dem Englischen von Josh adaptiert hat)

4 Kommentare:

The Wolfmother Wallpaper hat gesagt…

Tolles Stöckchen, wenn's recht ist, klau ich mir das demnächst mal :-))

Dass jemand Ursula LeGuin kennt, kommt mir selten unter *freu*

Unsere Zimmer scheinen sich sehr sehr ähnlich zu sehen! *lol* Ich liebe Pratchett auch!

Übrigens, du hast nicht zufällig die ersten beiden Drachenbeinthron-Bände auf Englisch zum Abgeben...? Ich hab nur Band 3 und 4 und suche die beiden anderen... :-))

neunlaternenspielerin hat gesagt…

Oh, wie schön! Du stellst Dich als immer wesensverwandter heraus :)
Leider habe ich keine überzähligen Bände zum abgeben, sonst hätte ich Dir gerne ausgeholfen.

Aoife hat gesagt…

Schönes Stöckchen ^^ habs mir gleich mal 'geklaut'.
Terry Pratchett hat bei mir übrigens auch ein eigenes Regal ;).

Anonym hat gesagt…

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